Ende dieses Seitenbereichs.

Beginn des Seitenbereichs: Inhalt:

Übersicht

Die Pasterze

Inmitten der Hohen Tauern, am Fuße des Großglockners (3798 m), erstreckt sich der größte Gletscher der Ostalpen, die Pasterze. Sowohl wegen der beispielhaft entwickelten hoch gelegenen Firnmulden als auch wegen der formschönen, langen Zunge gilt sie als Idealbild eines alpinen Talgletschers.

 

Die hoch gelegenen Firnmulden fungieren als Nährgebiet und werden von der markanten Pyramide des Johannisberges überragt. Dieser teilt die weitläufigen, bis zu knapp 5 km breiten Verflachungen in zwei geräumige Teilmulden, den Schneewinkel im Süden und den Rifflwinkel im Norden. Von diesen strömt das Eis in breiter Front talwärts und bildet zwischen den Felsen des Mittleren und Kleinen Burgstalls den so genannten Hufeisenbruch. Das Eis schiebt sich hier über eine markante, mehrere hundert Meter hohe Steilstufe im Gelände, wodurch die Gletscheroberfläche regelrecht zerrissen wird und in Spalten und Eistürme (Seracs) aufgelöst erscheint. Seit den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts zeigen alljährlich größer werdende apere Stellen im Hufeisenbruch untrüglich an, dass der Eisnachschub aus den Firnmulden immer geringer wird.

Unter dem Hufeisenbruch beginnt die eigentliche, rund 4 km lange Gletscherzunge der Pasterze. Sie gehört zur Gänze dem Zehrgebiet an und zieht mit nur geringer Neigung talaus. Geprägt wird die Zunge durch zahlreiche Spaltenzonen, die das Begehen des Gletschers – das im Übrigen nur erfahrenen Alpinistinnen und Alpinisten oder in Begleitung einer Bergführerin oder eines Bergführers anzuraten ist – erschweren. Vor allem auf der orographisch linken Seite gibt es derzeit große, zusammenhängende Spaltenbereiche, z.B. direkt unterhalb der Hofmannshütte. Ein besonders charakteristisches Merkmal der Zunge ist jedoch, dass der rechte Teil vollkommen mit Schutt bedeckt ist und daher von uninformierten Beobachtenden oft gar nicht als zum Gletscher gehörig erkannt wird. Diese Moränenbedeckung stellt einen sehr effizienten Schutz vor der Abschmelzung dar. Aus diesem Grund liegt die Gletscheroberfläche im rechten, moränenbedeckten Teil der Zunge höher als auf dem moränenfreien und reicht auch weiter talabwärts. Der Schutt stammt zum großen Teil aus den z.T. vergletscherten Felsflanken des darüber aufragenden Glocknerkammes.

Pasterze vom Vorderen LeiterkopfDie Zunge und das Gletschervorfeld liegen in einem breiten Trogtal, welches im Süden vom Großglockner und im Norden vom Fuscherkarkopf überragt wird. Es sind nicht zuletzt diese klingenden Bergnamen, die dem mächtigen Gletscher an ihrem Fuß zu besonderer Bekanntheit und ideeller Bedeutung – mit hoher Symbolkraft als einer der Inbegriffe österreichischer Hochgebirgslandschaft – verholfen haben. Damit in Zusammenhang steht auch, dass der Gletscher ebenso wie seine Umrahmung sehr früh schon die Aufmerksamkeit der Wissenschaft auf sich zog und die gesamte Glocknergruppe als eine der am besten erforschten Gebirgsgruppen der gesamten Alpen gelten kann.

Die Veränderungen der Pasterze in Raum und Zeit ähneln in ihren Grundzügen den von anderen Gebirgsgletschern bekannten Gletscherschwankungen. Dabei ist an der Pasterze seit dem letzten nacheiszeitlichen Hochstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts (an der Pasterze in den Jahren 1852-1856) eine von Einzeljahren abgesehen kontinuierliche Schwundtendenz zu beobachten. Dies kommt in der folgenden Tabelle zum Ausdruck, die für ausgewählte Jahre die Länge, die Fläche und das Volumen des Gletschers beinhaltet.

Jahr

1852

1924

1969

1985

2002

2006

Länge

11,4 km

10,3 km

9,5 km

9,0 km

8,4 km

8,3 km

Fläche

26,5 km²

22,6 km²

19,8 km²

18,9 km²

18,5 km²

17,3 km²

Volumen

3,5 km³

2,9 km³

2,2 km³

2,0 km³

1,8 km³

1,7 km³

Tabelle 1: Länge, Fläche und Eisvolumen der Pasterze in verschiedenen Jahren seit 1851 (Quelle: Wakonigg & Lieb 1996, Lieb & Slupetzky 2004, 2011)

 

Glocknerblick

 

 

Die jährlichen Gletschermessungen und ihre Geschichte 

Die Pasterze, der größte Gletscher Österreichs und der Ostalpen, gilt als ein besonders gut erforschter Gletscher, obwohl umfangreiche Langzeit-Forschungsprogramme in jüngerer Zeit hier nicht durchgeführt wurden. Eine Ausnahme bilden die seit 2005 jährlich von einem Team der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (Wien) durchgeführten direkten Messungen der Massenbilanz. Jedoch gab es zahlreiche wissenschaftliche Einzelprojekte, die sich etwa mit Fragen der Klimaänderung, der Abschmelzung oder dem Abfluss befassten und befassen. Das Besondere an der Pasterze aber sind die außerordentlich langen Datenreihen aus Standardmessungen, die bereits seit 1879 alljährlich durchgeführt werden.

Die historische Zeit der Pasterze beginnt in der frühen Neuzeit, nämlich als sie 1612 in der Kärntenkarte von I. Holtzwurm als „glacies continua“ (= lat. ewiges Eis) aufscheint. Es wird auch von einem vom Eis überfahrenen Bergbau berichtet, der sich aber bis heute nicht lokalisieren ließ, da der Name „B(P)asterze(n)“ bis wenigstens ins 19. Jahrhundert als Regionalbezeichnung weniger für den Gletscher, sondern für ein größeres, almwirtschaftlichen genutztes Gebiet im Talschluss der oberen Möll verwendet wurde.

Die Aussagen der historischen Quellen werden durch Ergebnisse naturwissenschaftlicher Forschungen ergänzt, welche für die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts einen Hochstand der Pasterze nachweisen, der aber nur wenig größer als der letzte von 1852 war. Dieser ist insofern von Bedeutung, als er als „Maßstab“ für alle Hochstände der Neuzeit und des gesamten Postglazials (Holozäns) dient. Seit Beginn der Neuzeit war die Pasterze nie so klein wie heute, in den davor liegenden Perioden des Holozäns gab es aber auch längere Perioden, in denen der Gletscher kleiner als heute war. Solche Zeiten sehr kleiner Gletscherstände sind gerade an der Pasterze durch eine große Zahl von Funden fossiler Hölzer und Torfreste gut belegt.

Die Pasterze erregte schon früh die Aufmerksamkeit der Wissenschaft, wobei die Arbeiten der Gebrüder Schlagintweit in der Mitte des 19. Jahrhunderts auch weit über die Pasterze hinaus von Bedeutung waren. Dies gilt auch für den erwähnten frühen Beginn der alljährlichen Nachmessungen. Diese werden seit 1958, als Herbert Paschinger zum Ordinarius für Geographie in Graz berufen wurde, vom Institut für Geographie und Raumforschung der Universität Graz als laufendes Projekt im Rahmen des Forschungsschwerpunktes „Gebirgs- und Klimageographie“ organisiert und durchgeführt.

Die einfachsten und ältesten, von Seeland begonnenen Messungen betreffen die Längenänderung des Gletschers, wofür eine seit 1879 nur in 3 Jahren unterbrochene Datenreihe zur Verfügung steht. Die Messung der Höhenänderung der Gletscheroberfläche geht auf Viktor Paschinger zurück, der 1928 mit der Seelandlinie das erste Messprofil installierte. So wie die meisten anderen der in den Folgejahren eingerichteten Profile ist es nach wie vor in Gebrauch. Versuche, die Bewegung an der Gletscheroberfläche zu messen, reichen bis ins Jahr 1882 zurück, als Seeland entlang eines Querprofils 20 Holzpflöcke einschlagen ließ. Die heute noch in Gebrauch stehende „Steinlinienmethode“ wurde 1903 erstmals angewandt, doch sind erst seit 1928 geschlossene Datenreihen verfügbar.

Zeittafel der für die regelmäßigen Gletschermessungen an der Pasterze verantwortlichen Personen:

Ferdinand SEELAND

1879-1900

Hans ANGERER

1901-1921

Viktor PASCHINGER

1924-1946

Herbert PASCHINGER

1947-1959

Helmut AIGELSREITER

1960-1970

Herwig WAKONIGG

1971-1990

Gerhard Karl LIEB

seit 1991

Die an der Pasterze alljährlich im Auftrag des Österreichischen Alpenvereins routinemäßig durchgeführten Messungen erfolgen nach wie vor mit einfachen, traditionellen Methoden. Wenn hierdurch eine gegenüber modernen Technologien etwas eingeschränkte Messgenauigkeit in Kauf genommen wird, so erfolgt dies aus Kostengründen sowie zur Sicherstellung der Vergleichbarkeit mit den vorhandenen langjährigen Messreihen. Die Aussagekraft der Daten in Hinblick auf die klimatische Interpretation des Gletscherverhaltens ist dadurch nicht beeinträchtigt. 

 Literaturliste zum Download

 

Nach oben

Ende dieses Seitenbereichs.

Beginn des Seitenbereichs: Zusatzinformationen:


Ende dieses Seitenbereichs.