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Von Räumen und Menschen

Sybille Bauriedl im Interview. Foto: Uni Graz/Kastrun.

Humangeographin Sybille Bauriedl, Aigner-Rollett-Gastprofessorin des Sommersemesters 2017, blickt auf ihre Zeit in Graz zurück

Frau Dr. Bauriedl, Sie beschäftigen sich mit der geographischen Geschlechterforschung. Was kann man sich darunter vorstellen?
Kurz formuliert könnte man sagen, dass es dabei um das Verhältnis von Geschlechterrollen und Räumen geht. In der Humangeographie befassen wir uns ja mit der Frage, wie der Raum und der  Mensch sich wechselseitig beeinflussen. Wie wir Graz nutzen, wirkt sich zum Beispiel auch darauf aus, wie sich die Stadt weiterentwickelt. Dasselbe Prinzip lässt sich auch auf unsere Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit übertragen. Wir fragen uns, warum Männer und Frauen den privaten oder öffentlichen Raum wie nutzen.


Was wäre ein konkretes Beispiel für diese Forschungsfrage?
Nehmen wir den Begriff „Hausarbeit“. Da haben die meisten wohl schnell ein Bild im Kopf, wer sie verrichtet, wie alt diese Person ist, welches Geschlecht sie hat und so weiter. Dabei finden diese Stereotypen so meist nicht mehr statt: Oft werden häusliche Arbeiten in bezahlte Dienstleistungen umgewandelt. Außerdem gibt es in großen Städten immer mehr Ein-Personen-Haushalte, in der es diese Aufteilung zwischen Hausarbeit und Erwerbstätigkeit ohnehin nicht mehr gibt. Wir hinterfragen diese Bilder sowie die Vorstellungen, die darüber transportiert werden und untersuchen, was sie beeinflusst. Das haben übrigens auch die Studierenden des Seminars, das an unsere Vortragsreihe „Place, Space and Gender“ gekoppelt war, mit ihren eigenen stereotypischen Bildern gemacht.


Was haben sich die Studierenden genau angeschaut?
In der Stadtforschung und -planung sprechen viele von so genannten „Angsträumen“, also Orten, die durch ein negatives Gefühl besetzt sind. Das hängt oft mit den Tageszeiten zusammen. Für viele Studentinnen war beispielweise klar: „Nachts gehe ich nicht in den Stadtpark.“ Dunkle Räume werden oft mit Gewalt in Verbindung gebracht. Dieser emotionale Bezug zu Orten ist stark an Geschlechterrollen gebunden. Meist jedoch stecken keine realen Erlebnisse dahinter, sondern Szenarien, die wir aus Büchern oder Filmen kennen. Betrachten wir ganz nüchtern die Statistiken, zeigt sich, dass auf vielbefahrenen Straßen oder Großveranstaltungen ein wesentlich größeres Risiko besteht, Gewalt zu erleben. In der geographischen Geschlechterforschung thematisieren wir, warum dennoch gewisse vergeschlechtlichte Raumvorstellungen haften bleiben und reflektieren auch das wissenschaftliche Wissen dazu.


Welches Resümee ziehen Sie über die International Lecture Series „Place, Space and Gender“, die Sie neben den Seminaren „Feminist Political Ecology“ und „Care for Climate“ inhaltlich verantwortet haben?
Ein sehr positives: Die Studierenden haben diese Themen sehr gut angenommen, was mich ungemein freut. Das Institut für Geographie hat sich um diese Gastprofessur der Geschlechterstudien explizit bemüht und will der Geschlechterforschung auch künftig verstärkt Rechnung getragen. Die Kombination aus öffentlicher Vortragsreihe und Seminar hat bestens funktioniert. Unsere Gastvortragenden – sie haben aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, inwieweit Geschlechterverhältnissen für den globalen Süden relevant sind – haben ein sehr interessiertes Publikum angezogen, sodass die Termine durch spannende Diskussionen gekennzeichnet waren. Dabei ist mir auch aufgefallen, dass die Studierenden einerseits große Kompetenz in der englischen Sprache haben, und andererseits auch sehr gut auf wissenschaftlichem Niveau agieren können.


Und Ihr persönliches Fazit zu Ihren vier Monaten in Graz?

Es war schöne und in jeder Hinsicht gewinnbringende Zeit, da ich mich von Anfang am Institut, an der Koordinationsstelle für Geschlechterstudien und an der gesamten Universität sehr willkommen gefühlt habe.

 


Zur Gastprofessur:
Die Aigner-Rollett-Gastprofessur für Frauen- und Geschlechterforschung – benannt nach Octavia Aigner-Rollett, die als erste Frau in Graz eine Arztpraxis eröffnete – ist eine Initiative der Koordinationsstelle für Geschlechterstudien, Frauenforschung und Frauenförderung der Uni Graz. Seit über zehn Jahren wird sie, mittlerweile ein Mal pro Jahr, an Wissenschafterinnen quer durch die Fachdisziplinen vergeben. Sie haben dann die Möglichkeit, ein Semester an der Uni Graz zu verbringen und am jeweiligen Institut einen Schwerpunkt in Forschung und Lehre zu setzen.

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